Blog mit Pfeffer

Der olympische Gedanke – Selbstvermarktung versus Dabei-sein-ist-alles?!

Erst in diesen Tagen ist das neue Buch „Fokus“ von Herman Scherer auf dem Markt erschienen. In diesem appelliert der Autor zur Fokussierung und Konzentration. Beginnend beim ersten Gedanken und nicht endend in der Umsetzung zur Erreichung des Ziels. Der Leitsatz ‚Leistung ist Potenzial minus Störfaktoren’ erfährt hier einige Beispiele und Hinweise für eine erfolgreiche Umsetzung.

Nun ist Hermann Scherer einer - wenn nicht der - erfolgreichste Redner im deutschsprachigen Raum. Er fokussiert sich auf seine Stärken und seine Ziele und dies mit sturem Pragmatismus, der seinesgleichen sucht. Für seinen Erfolg nutzt er die neuen Möglichkeiten der Vermarktung und der Kommunikation. Er macht nicht alles selbst, doch er ordnet dieses seinem Ziel sehr stringent unter.

Fokus erwünscht?!

Diese Fokussierung wünscht man sich als Zuschauer auch von den Athleten der olympischen Spiele. An der einen oder anderen Stelle kann der Eindruck gewonnen werden, dass es zwei, drei oder vier Ziele gibt – und in manchen Fällen verurteilen wir dies...

So bei den Hahnen-Zwillingen.

Anna & Lisa Hahnen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch was passiert da eigentlich, was läuft in unserem Verständnis ab und wieso ist die schwarz-weiß-Schublade vorhanden?

Rein nüchtern betrachtet haben die Zwillinge ihre Leistung, die sie für die Qualifikation für Rio 2016 vorweisen mussten, um teilnehmen zu dürfen, perfekt inszeniert und vermarktet – zum Leidwesen derer, die die Quali verpasst haben oder denen die Idee und das Wissen fehlte, sich selbst zu vermarkten.

Was könnte Auslöser für eine solche Vermarktungsstrategie der Zwillinge gewesen sein? Sie betreiben gerne Sport, nur leider ist es ihnen verwehrt mit diesem Sport ausreichend Geld zu verdienen. Man wird unterstützt und gefördert, um am Leben zu bleiben?!

Ein weiterer Punkt: Generell mehr Aufmerksamkeit erwünscht – auch bspw. als 80. im Zieleinlauf.

So kam es, dass nach dem Fokus Quali Rio 2016 Überlegungen angestellt worden sind, wie können wir uns den Aufenthalt für Rio und das, was vielleicht noch danach kommt, erwirtschaften und unsere Namen zur Marke ausbauen?

Auf die Möglichkeiten gesetzt!

Aufgrund der neuen Medien und der weltweiten Vernetzung ist dies mit direkten Wegen kein Problem mehr. Gedacht, getan, ging es frisch ans Werk. Die Kommunikation und Verbreitung der dargelegten Leistung wurde bis zum Zieleinlauf in Rio nach dem Marathon sehr stringent und fokussiert umgesetzt. Und so sollten wir alle „eigentlich“ über sooo viel Engagement für den eignen Lebensunterhalt, die eigene Öffentlichkeitsarbeit und den eigenen Entwicklungsweg froh sein...Doch weit gefehlt.

Eine Athletin, die nicht in Rio dabei sein konnte, wetterte aus Deutschland mit welcher Respektlosigkeit der Zieleinlauf der beiden vorgenommen worden sei. Der Presse und auch dem Verband fehlt die Wertschätzung für das sportliche Ereignis, den stattfindenden Wettkampf – zumindest wird dies unterstellt. Und letztendlich wird angeprangert, dass die deutsche Läuferin, die auf Platz 41 eingelaufen ist, nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit erfährt. Aber ist es nicht die Presse, die für die Öffentlichkeit und die Verbreitung sorgt?

Perspektivenwechsel dringend erwünscht?!?!?

Es gilt sich an dieser Stelle die Frage zu stellen:

Hätten die Hahnen-Zwillinge diese Selbstvermarktung auch vorgenommen, wenn Ihnen ihr Sport ausreichend Möglichkeiten gegeben hätte, mehr/ausreichend Einkommen zu generieren, so dass sie auf die Erlöse durch eine Selbstvermarktung verzichten können?

Und was wäre geschehen, wenn die Zwillinge als Sieger durchs Ziel gelaufen wären und diese Pose eingenommen hätten, wären Sie dann auch verflucht worden?

An dieser Stelle möchte ich aufzeigen, dass unser Leben und die darin enthaltenen Umstände Möglichkeiten beinhalten, die eine Selbstvermarktung auf gut durchdachte und erfolgreiche Art und Weise ermöglichen. Hätte dies ein Start-up getan, wäre es in den Himmel bejubelt worden. Tun dies zwei Athletinnen werden sie verpönt. Ist der Olympische Gedanke ein besserer, ehrfürchtiger oder sozialer?

Darf man im Sport keine Selbstvermarktung durchführen?

Riskieren wir einen Blick in andere Sportarten – beispielsweise dem Fußball. Hier spielen die Fußballer Fußball und andere übernehmen die Vermarktung – und dies nicht zu knapp.

Schauen wir in die Formel Eins. Hier fahren die Formel Eins Fahrer ihr Rennen und andere, Agenturen, Manager, Institutionen, vermarkten den Rennfahrer. Starten wir einen letzten Versuch Golf Spieler. Sie spielen Golf und andere vermarkten sie, ihre Person, ihre Leistung und ihr Image.

In allen genannten Sportarten verdienen die Sportler richtig viel Geld. Nicht nur an Preisgeldern, sondern explizit durch die Vermarktung. Ob es noch in Relation steht, bleibt außen vor, doch mit diesen Sportarten kann man Träume verwirklichen...

Und deshalb möchte ich an dieser Stelle die kritische Frage aufbringen, was ist so schlecht daran, wenn zwei junge Frauen die modernen Formen der Selbstvermarktung dazu nutzen, auf ihre Leistung und ihre Personen aufmerksam zu machen. Ich konnte keine Negationen in ihrer Art und Weise erkennen. Sie haben sich über niemanden lustig gemacht. Und wer sagt denn, dass man nach einem Marathon immer wie das letzte Elend aussehen muss?

Zieleinlauf Anna & Lisa Hahnen

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie viel Leistung muss ein Sportler bei den Olympischen Spiele für die Förderungen bringen, die er über Monate und Jahre erhält?

Darf diese Frage überhaupt gestellt werden?

Ist es nicht vielmehr, dass unsere Erwartungen nicht von den Hahnen-Zwillingen erfüllt worden sind und wir deshalb Missgunst, Neid und Frustration zum Besten geben? Wir in unseren Köpfen den Grundsatz haben Dabei-sein-ist-alles, aber der IOC mit den Olympischen Spielen eine riesen Selbstvermarktungs-Maschinerie inszeniert, mit der er Millionen einnimmt?![1]

Wir müssen uns entscheiden, was wir in unserer Gesellschaft wollen. Dieser Tage habe ich einen Vergleich gelesen, den ich sehr spannend fand: Wie kann es sein, dass ein Dschungelkönig mehr verdient, als ein Goldgewinner bei Olympia?

Erhalten unsere Athleten so viel Unterstützung und Förderung, dass sie sich zu 120 % auf ihren Sport fokussieren können? Und wenn es in unserer Leistungsgesellschaft nach Leistung geht, wieso dürfen die Athleten dann nicht für die Entlohnung ihrer Leistung auch bei Olympia sorgen? Oder ist eine Olympiade ausgenommen – nur dann bitte, darf auch der IOC nur so viel einnehmen, wie tatsächlich für die Olympische Spiele benötigt werden....

Gedanken zu einer Situation, die viele Perspektiven hat und für die es – vielleicht – keine „die eine richtige Perspektive“ gibt...

Unternehmerische Grüße mit wechselnder Perspektve,
Ihre
Nicole M. Pfeffer


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