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Die Causa Maaßen mal anders gedacht – Sollten die Unternehmen von der Politik lernen?

Durch die fehlende Beliebtheit in der Bevölkerung von Herrn Seehofer wollte sie eine Entscheidung im Fall Maaßen herbeiführen, die die SPD als stark dastehen lassen sollte.

Doch dass das nicht so einfach ist, wissen wir aus der Unternehmenswelt. Eine gute Führung zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Führungskraft bei ihren Entscheidungen mindestens 3 Schritte vorausdenkt. Es werden Szenarien im Vorfeld durchgespielt, die den größtmöglichen Nutzen und den kleinstmöglichen Schaden gegeneinander abstimmt und dann entscheidet. Eine sehr gute Führungskraft hat zudem die Fähigkeit, auch bei von außen einwirkenden Veränderungen, diese Szenarien durchzuspielen und dabei stets die Sache, das große Ziel und nicht die eigene Person oder die Momentaufnahme in den Mittelpunkt zu stellen.

So brüllte Frau Nahles lautstark „Maaßen muss gehen und er wird gehen“. Den Blick auf die Zielgerade Dienstag, den 18.09.2018 gerichtet, begannen ihre Parteifreunde ins gleiche Horn zu blasen. Die Kanzlerin hingegen besorgte sich Zeit und zog sich nach Algerien zurück, um Abstand walten zu lassen. Sie hat nicht nur die Causa Maaßen in den Blick genommen, sondern zudem die anstehenden Landtagswahlen in Hessen und Bayern wie auch das Kanzleramt als solches. Frau Merkel ist in ihrem Regierungsstil unaufgeregt und nicht egoistisch, narzistisch veranlagt. So fiel es ihr auch nicht schwer, die beiden Landesfürsten im Anliegen in den Mittelpunkt der möglichen Lösung zu stellen. Sicherlich, bei einem Herrn Bouffier, der stets loyal und unterstützend ist, ist es leichter wie bei Herrn Söder, der sie nicht nur öffentlich aus dem Wahlkampf ausschließt, sondern auch direkt gegen ihren Regierungsstil wettert. Doch Herr Söder gräbt sich derzeit scheinbar selbst sein eigenes Grab und da muss Frau Merkel nur ihre Geduldskarte spielen.

Doch welchen Fakten musste sie gerecht werden?
Da war zunächst die laute Forderung „Herr Maaßen muss weg“ von der SPD. Hinzu kam die Klarstellung „Herr Maaßen mache einen guten Job“ von der CSU und dann die fehlende Loyalität gegenüber dem Kanzleramt, die dadurch nach einer Konsequenz suchte.

Mit diesem Anspruch im Hinterkopf, ist die aktuelle Entscheidung eine Meisterleistung. Die SPD kann sagen „Schaut her, er ist weg.“, denn nur das hatte man ja sehr engstirnig gefordert. Herr Seehofer wird heute vor die Presse treten und verkünden „Wir haben in Herrn Maaßen einen sehr kompetenten Mann der inneren Sicherheit behalten können. Was er in den letzten Monaten und Jahren an Anschlägen vereitelt und wie er für innere Sicherheit in unserem unsicheren Staat gesorgt hat, ist einzigartig. Dieses Know-how ist eine Bereicherung für diesen Staatssekretärsposten und für das Innenministerium.“

Und Angela Merkel? Sie hat einem offenkundigen Feind die öffentliche Bühne gestohlen. Zudem ist so die Chance gegeben, dass nach der Bayernwahl und einem eventuellen Ende Herrn Seehofers auch gleich Herr Maaßen ohne große Geräuschkulissen Berlin verlassen muss.

In den Ländern hingegen ist den SPD Kandidaten der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Nicht die Aufgabe der Position von Herrn Maaßen steht im Vordergrund der Diskussion, sondern die Beförderung, die im Vorfeld anscheinend die SPD bei ihrer Brüllkampagne nicht mit bedacht hatte. Die CDU/CSU wird die Kompetenz und den Leistungswillen in den Fokus stellen, denn den können wir Bürger ja nicht wirklich bewerten, hingegen Werte, Loyalität und Einstellung aufgrund von Äußerungen Herrn Maaßens schon. Zudem wird man äußern, dass durch das Amt des Staatssekretärs eine größere Nähe zu Herrn Seehofer vorhanden und damit der Kontrollfaktor ausgebaut wird.

Doch was können Unternehmen nun aus der Causa Maaßen lernen:

  1. Eine gute Führungskraft zeichnet sich durch die mittelfristige Vorausschau in ihren Entscheidungen aus.
  2. Dem Gegner verschafft man einen kurzfristigen Erfolg während man selbst das große, ganze Ziel im Kopf behält und stringent verfolgt.
  3. Entscheidungen trifft man aus dem Abstand zur Situation und nicht aus Emotionen der Sache.
  4. Man lässt seinen Flügelmann vor einer Wahl/Postenvergabe niemals im Stich.

Und wo unterscheiden sich Politik und Unternehmen?

  1. Während die Unternehmen zunehmend auf Werte und Sinn des Handelns setzen, scheint in der Politik nur der Macht- und Kompetenzwillen zu zählen.
  2. Während es in der Unternehmenswelt noch eine Todsünde ist, Fehler zu begehen, wird in der Politik die Fehlerkultur scheinbar revolutioniert und dient als Erfahrungswert, wenn man ausreichend empfundene Kompetenz vorweisen kann, um dann befördert zu werden.

Doch abschließend müssen die ketzerischen Fragen erlaubt sein:

  1. Können wir es uns erlauben, dass ethische und moralische Fehltritte belohnt werden?
  2. Können wir es uns erlauben, dass wir nur dann strategisch denken und handeln, wenn wir in einer Krise stecken?
  3. Können wir es uns erlauben, dass wir mehr damit beschäftigt sind, den Gegner klein zu halten, statt uns selbst zu vergrößern und besser zu werden?

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